PhD: Feminist Hackerspaces

FEMINIST HACKERSPACES.


A RESEARCH ON FEMINIST SPACE COLLECTIVES

IN OPEN CULTURE


by Stefanie Wuschitz M.F.A., M.P.S.

Diese Dissertation beschäftigt sich mit der Verbindung von Gender Performance und Open Source Kultur, im Speziellen in Bezug auf Raumkollektive, die sich Hackerspaces nennen. Hier werden kulturell männlich konnotierte Disziplinen wie Mechatronik, Physical Computing und Programmierung auf unorthodoxe und nicht gewinnorientierte Weise entwickelt und kollektiv genützt. Mitglieder von Hackerspaces produzieren allerdings durch codiertes Verhalten vor allem Gender-Identität, so meine These. Technologische Praxis wird als Form kultiviert, Maskulinität zu erproben, zu zelebrieren und dadurch maskuline Identität zu konstruieren. Die derartige Produktion von Gender-Identität innerhalb eines Hackerspaces ist stark durch Gruppenprozesse und deren Strukturen der Anerkennung geprägt. Im Hackerspace bleiben Akteure in einer soliden, sich intern aufwertenden Gruppe unter sich. Eine Geschlossenheit, die Innovation und Offenheit in Bezug auf technologische Experimente zulässt.

Meine Forschungsfrage bezieht sich nun auf als weiblich geltende Menschen und welche Möglichkeiten diese sehen, trotz der strategischen Geschlossenheit der Hackerspaces, diese als Räume für technologische Experimente und Grenzgänge zu nützen. Wenn im Hackerspace Akteure durch den Umgang mit Technik maskuline Identität konstruieren, welche Identitäten konstruieren dann Akteurinnen, die ebenso hohe Fähigkeiten im Umgang mit Technik aufweisen? Wenn beispielsweise eine Akteurin hervorragend lötet, wird diese Leistung demnach als Performance von Maskulinität markiert, was starke Irritationen der auf technischer Leistung basierenden, männlich-zentrierten Hierarchien verursacht. Auf Grund ihrer Fähigkeiten, gilt sie hier als maskulin – für viele Akteurinnen weder Auszeichnung noch Grund zur Freude. Dass die Performance von Femininität in Hackerspaces folglich meist ausbleibt, wird trotzdem als natürlich gegeben empfunden.

Anhand mehrerer Beispiele habe ich in dieser Dissertation gezeigt, wie das Ausbleiben einer weiblichen Perspektive ins Gegenteil umgewandelt werden kann. Einerseits durch Strategien von spielerischer, ironischer, künstlerischer Aneignung in Form einer demonstrativen Femininisierung von Hardware, andererseits durch einen Separatismus, der an Taktiken des Second Wave Feminismus anknüpft. Auch Interventionen des bewussten Aufbrechens oder Hackens der kulturell kontinuierlich produzierten Verknüpfung von maskuliner Identität mit technologischen Praktiken und die damit einhergehende Dekonstruktion von Gender Normen wurden beschrieben. Jenen feministischen Hackerspaces, die sich nun darum bemühen, wandelbare Identitätsentwürfe zu produzieren, mangelt es an technischer Innovation, da nun um Kontinuität zu gewährleisten, die technologischen Praktiken gegenüber den sich wandelnden Identitäten stabil gehalten werden müssen. Unweigerlich stellt sich die Frage, ob die Stabilität einer Gruppe in einem kollektiv genützten Raum über einen dritten Parameter gewährleistet werden könnte. Die von mir vorgeschlagene Struktur, die dieser Anforderung (eine Stabilisierung weder über eine Normierung von Identität noch einer Normierung von Praktiken) gerecht werden kann, ist das Modell der Space-based Community. Dabei ist der dritte stabilisierende Faktor der von AkteurInnen kollektiv genutzte Raum. Über Lefebvres Raumtriade, einer drei-dimensionalen Perspektive auf Raum als Representation of Space, Spaces of Representation und Spatial Practices erläutere ich, wie über eine kollektive Nutzung eines Raumes die Legitimisierung, Identifizierung und Anerkennung der AkteurInnen gelingen kann, womit rigide Normierung von Identitäten oder Praktiken überflüssig wird. In dezentralen, Space-based Communities partizipieren AkteurInnen, auf Grund ihrer Präsenz im Raum. Dies eröffnet einen demokratisierten Zugang zu den im Raum vorhandenen Technologien. Hackerspaces als space-based Communities zu organisieren zielt weiters auf eine Dezentralisierung von Institutionen ab, die derzeit die Deutungshoheit über den Technologie-Begriff innehaben.

Meine Forschung hat sich stark auf die Theorien von Judith Butler gestützt, ihrer Sichtweise auf Gender als eine sich (durch ein Spiegeln im insistierend fragenden Du) ständig im Wandel befindliche, produzierte Performance. Bedeutend für mich waren freilich auch Spivaks, den Begriff der Inklusion früh als Form der hegemonialen Denkweise entlarvende Theorien und Bruno Latours Aktkanten-Netzwerk-Theorie, mit der damit einhergehenden Sicht auf Handlungsspielräume jenseits von Dichotomien wie Technologie/Gesellschaft, Kultur/Natur. Methodologisch basiert diese Dissertation auf Action Research und Paulo Freires Begriff der conscientisation, wodurch in Interviews, internationalen Workshops und aktiver Vernetzung mit diversen Raumkollektiven, Untersuchungen zur Beantwortung meiner Forschungsfrage angestellt werden konnten.

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